Düsseldorf (dpa) - Das Premium-Produkt Fußball-Bundesliga glänzt, der vierte Spieltag präsentierte sich furios und kurios. Ausverkaufte Stadien in Dortmund, Köln und Mannheim, in sechs Partien ein Zuschauer-Schnitt von 48 279 - die Liga bebt und lebt. Der Hamburger SV erweist sich als Meister des Zurück-Kommens, machte beim 3:2 gegen Bayer Leverkusen zum dritten Mal in dieser Spielzeit ein 0:2 wett und ist erstmals seit neun Jahren wieder Tabellenführer.

Der Klinsmann-Express" des FC Bayern München nimmt Fahrt auf. Der Titelverteidiger bringt sich dank der Tore von Luca Toni (53./60.) und Kölns verlorenem Sohn" Lukas Podolski (90.+1) mit dem 3:0 beim 1. FC Köln als HSV-Verfolger rechtzeitig vor dem Champions-League- Auftakt in Stimmung. Schalke 04 verspielt im dramatischen 132. Derby bei Borussia Dortmund ein 3:0 und fällt auf Rang drei zurück. Bei Werder Bremen beruhigte das 3:0 (Tore: Diego/75., Torsten Frings/80., Boubacar Sanogo/83.) gegen Energie Cottbus vor der Königsklassen"- Partie gegen Famagusta die Nerven der zuvor sieglosen Hanseaten.

Ihre ersten Saisonerfolge feierten am Sonntag auch der VfL Bochum und Hannover 96. Bochum besiegte Dank der Tore von Marcin Mieciel (22.) und Marc Pfertzel (26.) Arminia Bielefeld mit 2:0 (2:0), Hannover deklassierte Borussia Mönchengladbach mit 5:1 (2:0). Neuzugang Jan Schlaudraff (43./67.) erzielte ebenso einen Doppelpack wie Szabolcs Huszti (32./47.), außerdem traf der Ex-Mönchengladbacher Mikael Forssell (86.) per Foulelfmeter. Rob Friend (54.) gelang nur der Ehrentreffer für die überforderten Gäste.

Das 3:3 in Dortmund war nichts für schwache Nerven. Sechs Tore, zwei Platzverweise, zwei Elfmeter und viel Schelte gegen Referee Lutz Wagner - die Historie der Revier-Duelle ist um ein denkwürdiges Kapitel reicher. Durch Jefferson Farfan (20./Handelfmeter), Rafinha (39.) und Heiko Westermann (54.) führte Schalke 3:0. Dann machten Neven Subotic (67.) und Alexander Frei (71./89./Handelfmeter) die Arena zum Tollhaus.

Im Brennpunkt stand der Unparteiische. Vor dem 2:3 durch Frei übersah Wagner eine Abseitsstellung des Schweizers. Umstritten war auch die Strafstoß-Entscheidung (89.), als Wagner die Abwehr von Mladen Krstajic als Handspiel wertete. Die beiden Gegentore waren ein Skandal", schimpfte Krstajic. Wagner war später kleinlaut: Ich habe das während der Partie so gesehen, aber die TV-Bilder geben etwas anderes her." Schalke-Trainer Fred Rutten war sauer auf die eigene Elf: Ich glaube schon, dass ich ein wenig Arroganz gesehen habe." BVB-Coach Jürgen Klopp fand es geil. Das hat Spaß gemacht."

Ähnlich dramatisch ging es in Hamburg zu, wo Leverkusen durch Tranquillo Barnetta (4.) und Patrick Helmes (24.) 2:0 führte, der HSV drohendes Ungemach durch Paolo Guerrero (37.), Ivica Olic (57.) und Mladen Petric (72.) aber noch abwendete. So kann es nicht weitergehen", äußerte HSV-Chefcoach Martin Jol seinen Unmut über anfängliche Unzulänglichkeiten seines Teams, das vom Feldverweis des Leverkuseners Manuel Friedrich (40.) profitierte.

Deutlich weniger Spaß-Wert hatte das 0:0 zwischen Neuling 1899 Hoffenheim und Ex-Meister VfB Stuttgart in Mannheim. Am Ende haben wir zwei Punkte verloren", kommentierte Hoffenheims Coach Ralf Rangnick, von 1999 bis 2001 VfB-Trainer, das für die Gäste glückliche Remis. In Köln machten 50 000 Fans das Wiedersehen mit Bayern- Edelreservist Podolski trotz des 0:3 zur Freudenfeier. Der für Miroslav Klose eingewechselte Podolski will sich beim Meister gegen die Platzhirsche" Toni/Klose durchbeißen: Ich habe weder mit Jürgen Klinsmann noch mit Manager Uli Hoeneß ein Problem", versicherte er. Demonstrativ legte Podolski nach seinem Tor die Hand aufs Herz - auf das Bayern-Emblem auf dem Trikot.

In Berlin erlebten knapp 39 000 Besucher einen Wutausbruch des sonst so besonnenen Hertha-Trainers Lucien Favre. Das 2:2 gegen den VfL Wolfsburg brachte Favre nicht nur wegen des späten Ausgleichs (Sascha Riether/89.) auf die Palme. Marko Pantelic, dem ein Strafstoß-Verbot auferlegt worden war, bestrafte sein Team mit Eigensinn und vergab seinen vierten Elfmeter. Er sollte nicht schießen. Ein-, zweimal kann man das machen. Aber jetzt kann ich es nicht mehr akzeptieren", äußerte Favre seinen Unmut.